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UNIVERSITÄTSCAMPUS BONN - POPPELSDORF

 

SUDDEN - WETTBEWERB

UNIVERSITÄTSCAMPUS BONN - POPPELSDORF

Geschichte verpflichtet 472439

 

Das Wettbewerbsgebiet:

Am 18. Oktober 1818 gründete der preußische König Friedrich Wilhelm III. die  Universität Poppelsdorf, die sich nach wie vor dem Humboldt'schen Ideal der Einheit von Forschung und Lehre verpflichtet. Der historisch gewachsene Campus der Universität befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Poppelsdorfer Schloss und der Poppelsdorfer Allee. Diese Prachtstraße Bonns, die ursprünglich das Kurfürstliche Schloss mit dem Poppelsdorfer Schloss verband, wurde bereits um die Mitte des 17. Jahrhunderts durch einen breiten, mit Linden bestandenen Fuhrweg angelegt. Die Idee zur endgültigen Anlage der eigentlichen Poppelsdorfer Allee stammte dann von Kurfürst Joseph Clemens, der eine prachtvolle Blickachse nach französischem und italienischem Vorbild zwischen seinem Stadt- und Landschloss wünschte. Dieses Triptychon klassischer Stadtanlage ist heute noch wundervoll im Stadtbild ablesbar. 

Dieser Tradition, der klassischen Gestaltung von wichtigen Verbindungen und Orten, sieht sich der vorliegende Entwurf verpflichtet. Er nimmt die vorgefundenen Qualitätsmaßstäbe in unmittelbarer Nähe des Wettbewerbsgebietes auf, verdichtet diese zu leitenden Elementen und Plätzen und schafft so eine qualitätvolle Einbettung des Campusareals in die umgebenden Stadtquartiere und den umliegenden historisch gewachsenen Stadtstrukturen, dem historischen Gebäudebestand des Standtortes und dem „neuen“ Campus Poppelsdorf. 

Dabei entsteht ein repräsentatives „Standortbild“ für die Universität Poppelsdorf, eine eigene Bildsprache, die den qualitätvollen Bestand an historischen Gebäuden einbindet und sich an die historischen Anlagen der Umgebung anschmiegt

Er trägt dabei den zukünftigen Entwicklungen des Universitätsstandortes Poppelsdorf Rechnung. Mit der Gestaltung der Freiflächen werden eindeutige Verbindungen, Orientierungsmöglichkeiten und attraktive Aufenthaltsorte geschaffen, die den Aufenthalt in der Universität, der in Zukunft einen Großteil des Alltages von Angestellten und Studenten der Universität einnimmt, angenehm begleiten. Die Gestaltung der öffentlichen Bereiche schafft eine gute Lernatmosphäre mit unterschiedlichen Nutzungsangeboten für Angestellte, Studenten und Besucher des Campus und gibt Anreize die Freiflächen zum Lernen, sozialem Leben und für Veranstaltungen zu nutzen. 

Hauptelemente des Entwurfs sind die „Grünverbindungen“ der Fuß- und Radwegeachsen der Nußallee, der westliche Teil der Verbindung zwischen dem Institut für Mathematik und dem neuen zentralen Platz vor der Bibliothek. 

Die Achsen werden als verkehrsberuhigte Zonen mit einer einheitlichen Oberflächengestaltung vorgeschlagen. Sodass eine Nutzung des gesamten öffentlichen Raumes zu einem „shared  space“ stattfindet, der ohne Abstandszonen an die bestehenden und neuen Gebäude heranwächst und als Leitachse für Studenten, Angestellte und Besucher funktioniert. Auf diesen Achsen befinden sich in fast regelmäßigem Abstand besondere Punkte, die wie Perlen das zusammenhängende Band der Achsen verdeutlichen. Diese durch die Oberflächengestaltung herausgehobenen und durch Heckenkörpern markierten Punkte sind Aufenthaltsbereiche und Stationen auf dem Weg durch den Campus, die Eingänge zu den Instituten und Durchgangsmöglichkeiten markieren und signalisieren.

Der gemeinsam genutzte öffentliche Raum wird über eine Aufpflasterung an der Meckenheimer Allee und dem vorhandenen Bürgersteig an der Endenicher Allee verdeutlicht und so das Betreten des Campusstandortes Poppelsdorf markiert. 

An der Ecke Nußallee / Meckenheimer Allee bilden, wie historisch belegt, die bestehenden Gebäude das Tor zum Campus. An der Endenicher Allee bildet ein Stadtplatz das „grüne“ Tor zur Universität. 

Der zentrale Platz an der Bibliothek fungiert als städtebauliches Scharnier zwischen den beiden Achsen. 

Die neue Achse und das Scharnier sind durch eine einheitliche Oberflächengestaltung und durch die begleitende Baumbepflanzung in ihrer Struktur und in ihrem Aussehen als besondere Elemente im Stadtraum identifizierbar und bilden das Zentrum des neuen Universitätsstandortes.

Die Durchwegung der Universitätsquartiere sowie die Anbindung an die umgebenden Stadtquartiere wird durch die Fortführung der Straßen- und Wegebegleitenden Bepflanzung der angrenzenden Bereiche in den Universitätscampus erreicht.

Der Entwurf zielt auf eine klare Trennung der Straßen und Fußgängerbereiche ab. Dabei fungieren die von außen in den Campus führenden Straßen als Stichstraßen, die den fließenden Verkehr zu den neu zonierten Parkplätzen führt. Eine Ausnahme hiervon ist die Straße am neuen Parkplatzbereich entlang. Der ruhenden Fahrrad- und Pkw-Verkehr wird in drei durch das Campusgelände führende Zonen eingeteilt, die in den rückwärtigen Bereichen der Gebäude liegen und als separate, durchgängige Zonen des ruhenden Verkehrs das Gelände mit gliedern. So wird erreicht, dass sich quasi ein Ring von PKW-Parkplätzen um das Gelände herum ausbildet und die Fahrradabstellbereiche nicht in wilder, frei verteilter Formation im Campusgelände verteilt sind. Insgesamt werden in der oben beschriebenen Form insgesamt 3038 Fahrradabstellmöglichkeiten auf dem Campusgelände geplant. 

 

Der Realisierungsteil:

Der Zentrale Bibliotheksplatz gliedert sich in drei Zonen. An den Seiten zu den angrenzenden Gebäuden befinden sich die Übergangs- und Durchgangszonen zu den zentralen Fuß- und Radwegeachsen sowie zu den Eingängen der Gebäude. Der mittlere Bereich des Platzes wird durch drei großzügige Rasenflächen, die zwischen der Bibliothek und dem neuen der Bibliothek gegenüberliegendem Gebäude vermitteln. Heckenkörper aus z.B. Hainbuche auf den beiden äußeren Rasenfeldern unterstützen den Zusammenhang des gesamten Platzes und geben ihm gleichzeitig einen Rahmen. Die mittlere Rasenfläche wird freigehalten. 

Vor der Bibliothek und in Kreuzungsbereich zur Fuß- und Radwegeachse bilden Heckenkörper gerahmte „Treffpunkte“ großzügige Aufenthaltsbereiche. 

Die Wegeverbindungen sind mit Kleisteinpflaster im Bogenverband befestigt. Innerhalb des Verbandes sind Kreiselemente wie Intarsien verteilt, die die Wegeführung der Achsen und des Scharniers begleiten. Doppelreihige Rinnen aus dem gleichen Oberflächenmaterial schaffen eine fast unmerkliche aber optische Trennung des Wege und Platzbereichs. 

Die Wege werden ebenso wie die zentralen Achsen von geschnittenen Kastenlinden (Tilia europaea) sog. Kaiserlinden begleitet. Unterstützt wird die Rahmung von Buchsbaumkugeln, die sich um den Platz herum gruppieren.  

In den „Vorzonen“ zu den Gebäuden entlang der Wege und in den „Treffpunkten“ befinden sich konzentriert Sitzbänke, damit die restlichen Flächen zum freien Aufenthalt genutzt werden können.  

Unmittelbar vor der Bibliothek und an den Wegen entlang der Bibliothek sind Fahrradabstellmöglichkeiten für insgesamt 208 Fahrräder vorgesehen.

Alle Ausstattungsgegenstände wie Mülleimer, Sitzbänke und Mastleuchten nehmen sich gegenüber der sonstigen Gestaltung zurück und werden in klassisch morderner Gestaltsprache ausgesucht. Die Sitzbänke, aus FSC-Zertifiziertem Hartholz erhalten wie sämtliche anderen Ausstattungsgegenstände eine Eisenglimmerbeschichtung in DB 703.  

Mit diesem Entwurf entsteht ein neuer Stadtteil universitären Lebens, der die nächsten Jahre und Jahrzehnte eine hochwertige Lehre und Forschung sichert. Mit der Gestaltung der Freiräume der Universität Poppelsdorf wird ein „Standortbild“ vermittelt, das sich an die vorhandene historische Umgebung angliedert und eine Standortidentifikation evoziert; das studentische Leben durch eine Lernatmosphäre im Freiraum unterstützt und für Angestellte und Besucher des „neuen“ Campus Poppelsdorf einen qualitätvollen Aussenraum mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten bietet.

Dipl. Ing. Stephan Kulle-Skorobogaty

Inhaber und Geschäftsführer

Landschaftsarchitektur & Umweltplanung

Landschaftsarchitekt AKNW

 

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